Transparenz-Hinweis
Dieser Artikel handelt von einem Projekt, das wir vollständig entwickelt haben, das aber nie zum Einsatz kam. Wir teilen unsere Erfahrungen, weil auch daraus wertvolle Erkenntnisse entstehen.
Was war Tafel.app?
Im Auftrag der Motus UG entwickelten wir 2025 eine umfassende digitale Lösung für Tafel Deutschland: Zwei mobile Apps (Kunden-App und Scanner-App für Mitarbeiter) plus ein Web-Dashboard für die Verwaltung.
Die Idee war überzeugend: Analoge Prozesse wie Kundenverwaltung, Warteschlangen und Berechtigungsprüfungen digitalisieren. Das berechnete Potenzial: über 300.000 eingesparte Ehrenamtsstunden pro Jahr bei flächendeckendem Einsatz.
Was ist passiert?
Kurz gefasst: Wir haben alles gebaut – aber es kam nie zum Einsatz.
Die Apps (Kunden-App, Scanner-App) und das Web-Dashboard wurden vollständig entwickelt und funktionieren. Tafel Deutschland hat sich jedoch gegen den Einsatz entschieden. Unser Auftraggeber (Motus UG) war davon ausgegangen, dass die Tafel die Lösung einsetzen würde – das war dann nicht der Fall.
Die Gründe lagen nicht in der Technologie:
Was wir technisch gelernt haben
Flutter bewährt sich
Unsere Entscheidung für Flutter war richtig. In nur 2 Monaten haben wir zwei vollständige Apps für iOS und Android entwickelt – mit einer Codebasis. Die Performance war nativ, die Entwicklung effizient.
Takeaway: Für Cross-Platform-Apps mit begrenztem Budget ist Flutter eine solide Wahl.
Privacy by Design spart Zeit
Wir haben von Anfang an DSGVO-konform entwickelt: Datensparsamkeit, automatische Löschfristen, granulare Zugriffsrechte. Das hat zwar initial mehr Zeit gekostet, aber späteren Ärger erspart.
Takeaway: Bei sensiblen Daten (Sozialdaten, Gesundheit) ist Privacy by Design Pflicht – und langfristig effizienter.
Offline-First ist komplex, aber machbar
Die App musste auch ohne stabile Internetverbindung funktionieren. Die Synchronisationslogik war herausfordernd, aber lösbar mit lokaler Datenhaltung und intelligenter Konfliktauflösung.
Takeaway: Offline-Funktionalität erhöht die Komplexität deutlich, ist aber für viele Anwendungsfälle unverzichtbar.
Was wir über Projekte gelernt haben
Technische Exzellenz reicht nicht
Eine technisch perfekte Lösung nützt nichts, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Stakeholder-Management und Timing sind genauso wichtig wie Code-Qualität.
Non-Profit ist anders
Entscheidungswege in sozialen Organisationen sind länger und komplexer. Ehrenamtliche Strukturen und demokratische Prozesse erfordern Geduld und Anpassungsfähigkeit.
Pilotprojekte brauchen Champions
Ein Pilotprojekt braucht interne Fürsprecher, die es vorantreiben. Ohne diesen “Champion” auf Kundenseite ist selbst das beste Konzept schwer durchzusetzen.
Warum wir das Projekt trotzdem zeigen
Manche würden sagen: Ein gescheitertes Projekt gehört nicht ins Portfolio. Wir sehen das anders.
Wenn Sie ein Projekt im sozialen Sektor planen, können wir aus dieser Erfahrung schöpfen. Wir wissen jetzt besser, worauf es ankommt – nicht nur technisch.
Fazit
Tafel.app war ein Projekt mit viel Potenzial, das an äußeren Umständen gescheitert ist. Die technische Arbeit und die Learnings bleiben. Für uns als Team war es eine wichtige Erfahrung: Nicht jedes gute Projekt wird realisiert. Aber jedes Projekt – ob erfolgreich oder nicht – macht uns besser.